Familienidylle vor Häftlingsbaracken, Foto 1943

Das Lager


 
Bevölkerung

 

Das Gestapo-Lager Neue Bremm wurde keinesfalls vor den Augen der Öffentlichkeit abgeschirmt oder verborgen. Viele Bürgerinnen und Bürger, die zum Hauptfriedhof von Saarbrücken gingen, der nur wenige hundert Meter entfernt lag, passierten das Lager. Der kleine Weg, der die Haftstätte in Männer- und Frauenlager teilte, blieb öffentlich.

»Willst Du etwa auf die Neue Bremm?« war eine im gesamten Saarland weit verbreitete Drohung und auch Warnung. Viele Saarbrücker Bürgerinnen und Bürger wußten, was sich »auf der Neuen Bremm« ereignete: »Fast jede Nacht hörten wir Schreie von Gefangenen, die geschlagen wurden. [...] Wenn ich am Lager vorbei ging, sah ich oft, wie Gefangene auf Befehl der Aufseher Übungen verrichten mußten. Die Wachleute sparten dabei nicht mit Schlägen.« Zeuge Kurt B. aus Saarbrücken im Rastatter Prozess, 1946.

Das Gestapo-Lager Neue Bremm war in den Kriegsalltag der Bevölkerung integriert. Die meisten Menschen arrangierten sich mit dem Terror der Gestapo, manche beteiligten sich aber auch aktiv daran, in dem sie Mitmenschen denunzierten und anzeigten oder mit der Gestapo kooperierten: Handwerker und Bauern belieferten das Lager mit Baumaterial oder Lebensmitteln, Bestattungsunternehmer transportierten die Leichen ab, Unternehmer »mieteten« Häftlinge.

Ohne die Kooperationsbereitschaft von Teilen der Saarbrücker Bevölkerung hätte die Gestapo das Erweiterte Polizeigefängnis Neue Bremm nicht betreiben können.

Geschichte

Barackenlager Neue Bremm. Fotografiert von der gegenüberliegenden Straßenseite, undatiert, ca. 1942-1944